UEFA Euro 2016: Portugal im Finale

Die Selecção erreicht mit einem 2:0 über Wales das Endspiel am kommenden Sonntag
Donnerstag, 07 Juli 2016 | Sport

Als der schwedische Schiedsrichter Eriksson nach einer Nachspielzeit von drei Minuten die Partie beendet, beginnen bei uns im Ort die Kirchenglocken zu läuten, Böller werden gezündet,  in der Nachbarschaft dröhnen die Bässe – und unsere Hunde fallen mit lautem Gebell in den allgemeinen Jubel ein. Die Selecção hat zum zweiten Mal nach 2004 den Einzug in ein Endspiel der Fußball Europameisterschaft erreicht und trifft nun auf den Sieger des Halbfinalspieles Deutschland gegen den Gastgeber Frankreich.

Nach den schwachen Ergebnissen in der Gruppenphase hatte sich Portugal in den beiden vorherigen Spielen der KO-Runde gegen Polen und Kroatien  jeweils erst in der Verlängerung bzw. im Elfmeterschießen durchsetzen können und war für seine defensive Spielweise in den deutschen Medien hart kritisiert worden. Trainer Santos hatte dagegen immer am Ziel festgehalten, dieses Turnier zu gewinnen und darauf hingewiesen, dass im Fußball das Ergebnis wichtiger ist als ein spektakuläres Spiel. Die als Außenseiter in das Turnier gestartete Mannschaft von Wales hatte sich zuletzt überraschend gegen Belgien, einen der sog. Geheimfavoriten, mit 3:1 durchgesetzt und mit Mut und Kampkraft viele Sympathien errungen.

Beide Mannschaften mussten mit Pepe (verletzt), Aaron Ramsey, William Cavalho und Ben Davies (Gelbsperre) einige Schlüsselspieler ersetzten, und mit besonderer Spannung wurde das Duell der beiden Superstars von Real Madrid, Cristiano Ronaldo und Gareth Bale erwartet. Die Portugiesen begannen offensiver als in den vorherigen Partien, und Wales hatte Glück, dass der Schiedsrichter in der ersten Halbzeit ein Foul an Ronaldo  in aussichtsreicher Position in Strafraumnähe ebenso wenig ahndete wie wenig später eine elfmeterreifen Catch-Einlage eines Waliser Abwehrspielers an CR7 vor dem Tor. Wir fühlten uns an das Spiel gegen Polen erinnert, als Ronaldo, dem in diesem Turnier meist gefoulte Spieler, ebenfalls ein Elfmeter versagt blieb. Der mehr als fragwürdige Kommentar von Tom Bartels von der ARD dazu war, die Schiedsrichter zögerten zu Recht, ein Halbfinale durch einen frühen Elfmeterpfiff zu entscheiden!

Gab es insgesamt auf beiden Seiten in der ersten Halbzeit keine zwingenden Torchancen, änderte sich der Spielverlauf schon kurz nach dem Wiederanpfiff. In der 50 Minute verwandelte Ronaldo in seiner unnachahmlichen Art eine Flanke von Guerreiro mit dem Kopf zum 1:0, und nur 3 Minuten später verwertete Nani aus kurzer Distanz eine scharfe Hereingabe von Ronaldo. Innerhalb weniger Minuten war damit das Spiel entschieden, denn Wales gelang es trotz großem Kampfgeist nicht mehr, entscheidend vor das Tor von Rui Patricio vorzustoßen. Portugal hatte das Spiel jetzt unter Kontrolle und kam noch zu mehreren Torchancen.

Mit seinem Tor hat Cristiano Ronaldo, der von der UEFA zum Spieler des Spiels gewählt wurde, in der ewigen Torschützenliste der Europameisterschaften mit Michel Platini gleichgezogen. Vor zwölf Jahren hatte er nach dem verlorenen Finale der Europameisterschaft 2004 im eigenen Land gegen Griechenland noch Tränen in den Augen, nun hat er seine Mannschaft erneut ins Endspiel geführt. Niemand hat mehr Spiele bei einer EURO bestritten oder mehr Tore geschossen als er. Jetzt, mit 31, ist es für ihn nur noch ein Schritt zum Titel. Wir drücken ihm die Daumen, auch wenn sich die deutsche Mannschaft gegen Frankreich heute Abend für das Finale qualifizieren sollte.

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